Altertumswissenschaften in Bern

Archäologie

Archäologie, eigene Darstellung

Das Institut für Archäologische Wissenschaften (IAW) vereint vier archäologische Disziplinen unter einem Dach. Archäologie des Mittelmeerraumes, Archäologie der Römischen Provinzen, Prähistorische Archäologie und Vorderasiatische Archäologie.

Die Universität Bern bietet durch diese Vielfalt beste Möglichkeiten für ein umfassendes Studium vergangener Epochen. Forschungsprojekte innerhalb und ausserhalb der Schweiz bieten für Studierende einen frühen Einstieg in die wissenschaftliche Praxis. Die Forschungen des Instituts beruhen auf den regionalen und thematischen Schwerpunkten der vier Abteilungen und umfassen alle Epochen der Menschheitsgeschichte von den Anfängen bis zum Einsetzen der Schriftquellen im frühen Mittelalter. Archäologie ist eine auf die Interpretation von Materialien ausgerichtete historische Wissenschaft mit teilweise intensiven Bezügen zu den Naturwissenschaften: Ihre Quellen umfassen ein breites Spektrum von Sedimentproben, Keramikscherben, Mauerresten bis zu Skulpturen, Monumenten, Münzen und Schrifttafeln.

Engelstatue

Forschungsschwerpunkt:

Die Archäologie des Mittelmeerraumes umfasst das Gebiet rund um das Mittelmeer (Griechenland, Italien, Nordafrika, Spanien, Frankreich, Türkei, Schwarzes Meer) von ca.3000 v. Chr. bis ins 6./7. Jh. n. Chr.

Schwerpunkte des Faches an der Universität Bern sind die materielle und visuelle Kultur von Griechen, Römern,
Etruskern, Puniern sowie ihrer Vorgänger- und Nachbarkulturen in ihrem archäologischen sowie kulturhistorischen Kontext.

Im Zentrum der Forschung stehen Urbanistik und Landschaftsarchäologie, kulturelle Kontakte zwischen Griechen und anderen antiken Kulturen sowie forschungs- und rezeptionsgeschichtliche Aspekte.

Sanddüne

Forschungsschwerpunkt:

Die Vorderasiatische Archäologie behandelt den Zeitraum vom Beginn des Neolithikums (ca. 12 000 v. Chr.) bis zum Beginn des Hellenismus (4. Jh. v. Chr.). Der geographische Bereich umfasst im Kern Mesopotamien, Syrien-Palästina, Anatolien und Iran. In Zeiten, in denen signifikante Beziehungen zum Alten Orient bestehen, weitet sich der Horizont: Arabische Halbinsel, Eurasischer Steppengürtel und Pakistan werden miteinbezogen. Das Kernland Mesopotamien wird oft als Wiege der Zivilisation und Schrift bezeichnet.

Thematische Schwerpunkte sind einerseits die materiellen Hinterlassenschaften und andererseits die über die grossen Mengen textlicher Zeugnisse erschlossenen ideellen Errungenschaften des Alten Orients. Behandelt werden Aspekte wie Siedlungsgeographie, Urbanistik, Architektur, Kunst, Keramik, Bestattungswesen, Religion, Literatur, Geschichte, Handel und Wirtschaft, Sozialgeschichte und Alltagsleben. Vermittelt werden auch Theorien und Methoden der modernen archäologischen Forschung, darunter v.a. des Ausgrabungswesens in Vorderasien.

Forscher unter Wasser

Forschungsschwerpunkt:

Die Erforschung von schriftlosen Kulturen von den Anfängen der Menschheitsgeschichte vor rund drei Millionen Jahren bis heute zählt zu den Aufgaben der Prähistorischen Archäologie. In Mitteleuropa endet die Urgeschichte mit den Kelten, global gesehen gibt es keine Grenze.

Die Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind die ersten agrarischen Gesellschaften sowie Metallzeiten (Meso- und Neolithikum, Bronze- und Eisenzeit). Untersucht wird in erster Linie das Gebiet der heutigen Schweiz und Europas, Vergleiche zu globalen Quellen werden aber in Zukunft immer wichtiger.

Der Einsatz von naturwissenschaftlichen Datierungsmethoden, vor allem Radiokarbondatierung und Dendrochronologie ist heute wissenschaftlicher Standard. Schnittstellen bestehen zu Geographie (holozäne Klima- und Umweltentwicklung) und Geologie (Sedimentanalysen) sowie zur Biologie (Paläoökologie, Archäobotanik und – zoologie, historische Anthropologie).

Bronzestatue

Forschungsschwerpunkt:

Die Archäologie der Römischen Provinzen hat den Schwerpunkt Rom und seine Provinzen, von der jüngeren Eisenzeit/späten Republik bis in die Spätantike (von etwa 150 v. Chr. bis um 600 n. Chr.).

Das Arbeitsgebiet, welches sich von Britannien bis zur Donau und von Holland bis Nordafrika erstreckt, bietet den Hintergrund für vertiefte Forschungen zu Themen von Mensch und Gesellschaft in römischer Zeit: Die Kenntnis der Bauten und Funktion von Städten und Kleinstädten, der Form und Wirtschaftsweise landwirtschaftlicher Siedlungen, aber auch der politischen und kulturellen Rolle des Römischen Imperium ist die Grundlage für die Auseinandersetzung mit dem Alltag, der Religion, der gesellschaftlichen Struktur und den sozialen Beziehungen im Leben und im Tod der damaligen Menschen.

Ein zentrales Thema bilden die Auswirkungen auf die einheimische Bevölkerung, die vor der kriegerischen Eroberung durch die Römer in den späteren Provinzen des Römischen Reiches und benachbarten Gebieten lebten: In welchem Mass und in welchen Bereichen veränderten sich diese Gesellschaften durch die Kontakte mit Rom und schliesslich durch die Integration in das Imperium?